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Vorbilder

Peter Friedhofen

A wie Anfang


Peter Friedhofen- die Geschichte des Seligen Peter Friedhofen, vom Schornsteinfeger zum Ordensgründer
(Hans Georg Klein)

Ahrweiler, Aloisius-Jugend, Anfang - mit diesen drei A beginnt die Geschichte des Ordensgründers Peter Friedhofens, den wir ansonsten vielleicht längst vergesenhätten. Wie das?

Fangen wir von vorne an.

Die Aloisius-Jugend besteht nachweislich mindestens seit 1813. Sie ist die Schützengesellschaft der Volksschule in Ahrweiler und verehrt als ihren Patron den heiligen Aloisius. Peter Friedhofens Bruder Jakob war in Ahrweiler als Kaminfeger tätig.
Nachdem die Eltern früh verstorben und auch die größere Schwester, die Peter versorgte, tot war, nahm Jakob seinen Bruder Peter nach dessen Schulentlassung in die Ausbildung. Jakob Friedhofen wohnte damals im Hause neben dem Obertor, Ecke Johanniswall/Oberhutstraße, das nun auch Peter zur Wohnstätte wurde.

Der Funke zündet

So erlebte Peter als 15-jähriger am 21. Juni 1834 in Ahrweiler zum ersten Male die Feier des Aloisiusfestes. In der St.-Laurentius-Pfarrkirche standen an diesem Tage die Aloisiusjungen als Ehrenwache mit der Aloisiusfahne um das Bild des hl. Aloisius.
Alle Kinder der Schule trugen eine Rose als Zeichen der Reinheit an der Brust. Peter sah, wie nach dem Festamt die Jungen und Mädchen um den Altar schritten und durch einen Kuss auf die vom Priester dargereichte Kreuz-Reliquie lauterer Gesinnung und Reinheit in Gedanken, Worten und Werken gelobten.
Auf Peter machte das Aloisiusfest einen unauslöschlichen Eindruck. Der Funke hatte gezündet.

Neue Formen christlicher Frömmigkeit

Er,der stets ein Suchender auf dem Wege zu Gott war, wollte nun auch die jungen Männer um den heiligen Aloisius scharen.
So suchte er nach neuen Formen christlicher Frömmigkeit. An den Orten, an denen Peter während seiner Wanderzeit als Geselle arbeitete, gründete er „Aloisiusbruderschaften".
Von Ahrweiler aus versuchte er, die Bruderschaften untereinander zu verbinden und stellte die „Lebensregel der verbündeten Brüder aus der Gesellschaft des hl. Aloisius und der allerseligsten Jungfrau Maria" auf.
Aus diesen Gemeinschaften wurde in der Folgezeit ein echtes männliches Laienapostolat. Am Festtag des hl. Aloisius, am 21. Juni 1850, erhielt Peter schließlich vom Trierer Bischof Dr. Wilhe lm Arnoldi die bischöfliche Sendung, um fortan in klösterlicher Gemeinschaft die Nächstenliebe, wirkliche Sozialarbeit, zu praktizieren. Bis zuletzt war Peter Friedhofen der heilige Aloisius, der die Pestkranken pflegte und schließlich selbst an dieser Krankheit starb, ein immerwährendes Vorbild - wie dieser legte Peter seine ganze Kraft in die Pflege der Kranken.
 
 
 
Cyrillus Rarre

Cyrillus JarreEin Heiliger aus Ahrweiler?
- die Geschichte des Cyrillus Jarre, vom Aloisiuskönig zum Erzbischof und Märtyrer
(Hans-Georg Klein)

„Dat hättet noch nie jejenn", höre ich den Leser schon argumentieren. Dabei fing die Geschichte ganz harmlos an.

Am 2. Februar 1878 wurde dem Kaufmann Heinrich Jarre auf dem Marktplatz wohnend, dort wo sich heute die Hirsch-Apotheke befindet, von seiner Frau Maria geb. Müller ein Knäblein geboren. Ihr viertes Kind, das zu keinen besonders berechtigten Hoffnungen Anlass gab, ließen sie in der gegenüberliegenden Pfarrkirche St. Laurentius auf den Namen Rudolf taufen. Im zarten Alter von zehn Jahren schoss Rudolf den hölzernen Vogel der Aloisiusjungen mit der Armbrust von der Stange und wurde so Aloisiusschützenkönig. Zwei Jahre später wurde Rudolf Messdiener in St.Laurentius. Nach dem Besuch der Volksschule in der Wolfsgasse trat er in die höhere Bürgerschule des Rektors Peter Joerres im Weißen Turm ein. Einer typischen Ahrweiler Karriere stand nichts mehr im Weg. Aber der Mensch denkt, und Gott lenkt.
Der Franziskanerbruder Candidus Burgricht vom Apollinariskloster in Remagen wurde dem jungen Rudolf zum Schicksal. Bruder Candidus zog übers Land an Rhein und Ahr zum Kollektieren. In Ahrweiler kam er auch in das Haus der Jarres, lernte den jungen Rudolf kennen und nahm ihn mit auf seinen Bettelgängen in der näheren Umgebung. Unterwegs erzählte er ihm von Franziskus und seinem Werk. Rudolf war begeistert. Die Schützen waren vergessen. „Vater, ich will wie Franziskus werden!" Vater Heinrich, wie gesagt ein nüchtern denkender Kaufmann, hielt diese Begeisterung zunächst für eine Marotte. „Der spinnt, aber das legt sich auch wieder", dachte er bei sich. Aber mit Zähigkeit und Durchhaltewillen, die ihn zeitlebens auszeichneten, setzte Rudolf seinen Willen durch. Ostern 1892 brachte ihn der Vater nach Holland zum Ordenskolleg der Sächsischen Ordensprovinz der Franziskaner nach Harreveld, denn wegen des Kulturkampfes konnten die Franziskaner damals in Deutschland keine Schulen unterhalten.
Von wegen, datt jitt sich! Rudolf blieb sofort in Harreveld und sah Ahrweiler erst nach drei Jahren wieder. Nach dem Abitur 1894 begann er sein Noviziat. Er nahm den Namen des heiligen Cyrillus von Jerusalem an. Dann studierte er in Paderborn Philosophie und Theologie. 1899 legte er den Feierlichen Profess ab. Am 14. August 1903 wurde Cyrillus im Paderborner Dom zum Priester geweiht.
Was mag der Vater damals gedacht haben?
Danach meldete sich Pater Cyrillus für den Einsatz in der Chinamission. Mit großem Eifer lernte der junge Franziskaner die für Europäer so schwierige chinesische Sprache.
Als Sanitätsunteroffizier, ausgezeichnet mit dem EK II, erlebte er die Belagerung der deutschen Kolonie Tsingtau während des Ersten Weltkrieges mit und geriet in japanische Gefangenschaft.
Die Verehrung der Chinesen gewann Cyrillus durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Menschen in Not. Ein Dammbruch brachte 30.000 Menschen in große Not und Gefahr. Der kleine Pater half. Eine schwere Hungersnot infolge der Dürre plagte die Menschen. Cyrillus setzte sich unermüdlich ein, den Darbenden Hilfe zu bringen. Die chinesische Regierung erkannte seinen Einsatz an und verlieh ihm den „Orden der goldenen Reisähre".
Dann arbeitete Pater Cyrillus am Priesterseminar in Tsinanfu, wo er Philosophie lehrte. Sein methodisches Geschick als Lehrer fand allgemeine Anerkennung.
1924 wurde er nach Rom berufen. Fünf Jahre dozierte er als Professor für Missionswissenschaften an der Ordenshochschule San Antonio. 1929 wird Pater Cyrillus Ehrenmitglied der St.Sebastianus-Bürger­ Schützengesellschaft Ahrweiler, u.a. weil die Gesellschaft durch seine Vermittlung 1924 in den Besitzeiner Reliquie des hl. Sebastianus kam.
Seine Lehrtätigkeit in Rom fand durch seine Ernennung zum Apostolischen Vikar von Tsinanfu durch Papst Pius XI. ein Ende. Im Trierer Dom wurde Pater Cyrillus 1929 von Bischof Franz Rudolf Bornewasser zum Titularbischof von Metropolis geweiht. Ganz Ahrweiler war stolz. Seine Vaterstadt stiftete Ring und Brustkreuz und gab dem neuen Bischof einen prächtigen Empfang. Im August besuchte er seine Heimat. In das Namensbuch der Schützengesellschaft trug er sich mit seinem Wahlspruch „Uni Deo Servio" [Ich diene nur dem einen Gott.] ein und unterzeichnete mit +Cyrillus Rudolf Jarre, Titularbischof von Metropolis+ Apost. Vikar von Tsinanfu. In demselben Jahr wurde sein Bruder Toni Hauptmann der Schützengesellschaft. Er blieb dies bis 1969. Der bescheidene Bischof reiste sofort nach China zurück I um seine seelsorgerische Arbeit aufzunehmen. Der durchaus konservative Cyrillus war dennoch ein fortschrittlicher Mensch. Als erster Missionar in China tauschte er den langsamen und teuren Esel gegen ein Miele-Fahrrad, das ihn nun auf seinen Firmungsreisen begleitete. „Du aber stärke deine Brüder im Glauben", dieses Wort des Herrn nahm der neue Bischof sehr ernst. Unermüdlich besuchte er die Missionare, half ihnen mit Wort und Tat und versuchte die Mission in China weiter voran zu treiben.
Auch als Bischof setzte Pater Cyrillus seine wissenschaftliche Arbeit fort. Sein Arbeitstag begann deshalb schon morgens um vier Uhr. Seine Hauptwerke sind zwei wichtige Übersetzungen. Das ganze zivile Gesetzbuch der Republik China übersetzte er aus dem Chinesischen ins Lateinische. Das zweite wissenschaftliche Werk war die Übersetzung des Codex juris canonicus, des kirchlichen Rechtsbuches, ins Chinesische. Rom gab zum ersten Male in der Geschichte die Erlaubnis, den Codex zu übersetzen. Als Bischof galt seine Hauptsorge der Heranbildung des einheimischen Klerus. In Tsinanfu befand sich das Zentralseminar für mehrere Bistümer. Bischof Cyrillus baute es weiter aus und sorgte vorbildlich für seine Seminaristen. Pedantisch aber konnte er sein, wenn es um Ordnung und Recht ging. Liturgiebegeisterte junge Missionare haben gegen die strenge römische
Einstellung des Bischofs oft geschimpft. Als Ahrweiler Jung liebte Cyrillus Jarre das Neue nicht. Alles sollte nach den alten Gewohnheiten und nach altem Herkommen gehen . Das kommt uns bekannt vor.
Bischof Cyrillus war ein frommer Mann. Kraft und Hilfe für sein schweres Amt holte er sich im Gebet. Immer wieder schrieb er in seine Heimat und bettelte um das Almosen des Gebetes: „Betet recht viel für uns, die wir die Wirkung des Sakramentes der Firmung so notwendig haben."
Im Juli 1937 landeten die Japaner in China. Damit begann der japanisch-chinesische Krieg, der zugleich zu einem Bürgerkrieg auswuchs. Das Volk und die Mission litten schwer an diesen Kriegswirren. Nach dem Abzug der Japaner 1945 drangen die Kommunisten vor und besetzten das Riesenreich Stück für Stück. Ihre Strategie gegenüber der Kirche hatte schon Lenin vorgegeben:
1. Die Macht der Kirche durch die Ausweisung der ausländischen Missionare brechen. Die Missionare wurden als Imperialisten, Spione, Staatsverbrecher eingekerkert, gequält, verurteilt und verwiesen. Aber keine Märtyrer schaffen!
2. Die Loslösung von Rom durch Errichtung einer Nationalkirche forcieren, also die Christen spalten.
3. Das Endziel ist die endgültige Ausrottung der Kirche.
Der kleine Bischof sah den Leidensweg der Kirche in China schon früh voraus. Er schrieb ein kleines Buch gegen den Kommunismus. Diese hatten geschworen: „Wenn wir ihn fangen, werden wir ihm bei lebendigem Leibe die Haut abziehen."
1946 wurde das Apostolische Vikariat Tsinanfu Erzbistum und damit Bischof Cyrillus Jarre Erzbischof. Die Last, die auf seinen Schultern ruhte, wurde immer schwerer. Erzbischof Cyrillus fühlte sich unfähig, die Kirche in dieser Prüfungszeit zu leiten und bat den Vatikan, ihn abzuberufen und einen Nachfolger zu ernennen. Aber Rom lehnte ab. Der nun fast 70jährige Bischof blieb und packte gehorsam die Koffer wieder aus. Er sorgte aber dafür, dass alle älteren und kränklichen Missionare, Europäer wie Chinesen, in Sicherheit kamen. Es war für ihn schrecklich zu sehen, wie sein Lebenswerk zerbrach.
1948 fiel seine Bischofsstadt Tsinanfu in die Hände der Kommunisten. Der Kampf kostete 50 .000 Tote, viele Verwundete, fast alle Häuser waren zerstört, so auch die bischöfliche Residenz. Das vierjährige Martyrium begann. Erzbischof Cyrillus schr ieb: „Wir sind entschlossen, hier auszuhalten. Ich bete täglich um die Gnade der Stärke,
bis entweder der Tod oder der HI. Vater mich abberuft. Möge der gute Hirt Jesus Christus mir den Mut und die Gnade geben,
als guter Hirt mit meinen Missionaren und Christen zu leben und auch zu sterben. Die Trübsal für alle Guten wird groß sein und wir müssen beten, dass diese Ze iten abgekürzt werden. Dennoch, Gott wird siegen! Möge er uns für diese Zeiten einen festen Glauben, eine unerschütterliche Hoffnung und eine alles überwindende Liebe geben. Betet viel für uns!" Der Erzbischof durfte das Stadtgebiet nicht mehr verlassen,ständig wurde er vorgeladen und verhört. Man wollte ihn mürbe machen. Sein Genera lvikar wechselte zur „Nationalkirche" über. Dieser Verrat seines Stellvertreters setzte Cyrillus Jarre schwer zu. Im Juli 1951wurde der Erzbischof unter Hausarrest gestellt. Im Oktober führten ihn die Kommunisten vom Altar weg ins Gefängnis. Um fünf Uhr morgens begann der Tag, immer nur hocken, für einen Europäer eine ungewöhnliche Qual. Am Tag gab es zwei Mahlzeiten, Reis mit gekochten Melonen. Nachts wurde er zum Verhör gebracht, das oft zehn Stunden dauerte. Der Erzbischof war ständig an den Händen gefesselt. Die Handgelenke waren blutig gescheuert. Essen musste er wie ein Hund aus einer Schale. Augenzeugen berichteten, dass er besonders nachts oft vor Schmerzen stöhnte. Selbst die mit ihm inhaftierten Heiden flüsterten: „Dieser Alte muss ein guter Mensch sein." Wegen der Mangelernährung, Unterkühlung und der Strapazen bekam der Erzbischof Fieber und Husten. Aus Angst, er könne als Märtyrer sterben, wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Zu spät. Die Krankensalbung wird ihm verweigert. Am 8. März 1952 schließt er für immer die Augen.
Die Todesnachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt. Die Christen eilten zur Krankenhauskapelle. Dort lag er aufgebahrt in seinen roten Bischofgewändern. Alle wusste n und bekundeten: „Er ist ein Märtyrer." Der abgefallene Generalvikar informierte die Polizei, dass die roten Gewänder des Bischofs Ausdruck des Martyriums seien. Deshalb musste der schon begrabene Erzbischof wieder ausgegraben werden und der Abtrünnige sollte ihm Sträflingskleider anziehen. Das Volk geriet in Aufruhr. Die Polizei lenkte ein und gestattete, den Toten in weißen Gewändern in einem feierlichen Requiem zu bestatten.
Chinesische Christen halten den kleinen Mann aus Ahrweiler,der den Weinberg des Herrn in China fast 50 Jahre beackert hat, der so vielen Menschen, ob Christen oder Heiden geholfen hat, für einen Heiligen.

Es sieht ganz so aus: Tatsächlich, ein Heiliger aus Ahrweiler!